Ein Komiker auf dem Jakobsweg. Kann das gut gehen? Als jemand, der selber schon die Hälfte der Strecke des Camino de Santiago hinter sich gebracht hat, war ich skeptisch. Zwei Jahre lang stand das Buch ungelesen im Regal. Schon der Titel “Ich bin dann mal weg” schien mir viel zu flapsig. Nach der Lektüre bin ich jedoch vollkommen überzeugt von Hape Kerkelings Projekt. Das Buch ist meiner Ansicht nach die offenste, ehrlichste und repräsentativste Erzählung vom Jakobsweg unter der Masse der Jakobswegliteratur. Es repräsentiert den heutigen Durchschnittspilger – sieht man von Kerkelings Exponiertheit als Entertainer einmal ab. Hape Kerkeling beschreibt sich als einen von tausenden Pilgern, die glauben aufbrechen zu müssen und diesen Weg gehen. Bei den wenigsten spielen kirchenreligiöse Gründe eine Rolle, eher schon religiöse, meistens jedoch einfach menschliche. Bei dem größten Teil der Pilgerschar handelt es sich nämlich um irgendwie aus-der-Bahn-Geworfene, die auf dem Camino wieder einen Weg zu sich selber suchen. Kerkeling zitiert zu Anfang seinen Reiseführer, in dem es heißt, dass die Menschen sich seit vielen Jahrhunderten auf die Reise zum heiligen Jakob machten, wenn sie wörtlich und im übertragenen Sinne keinen anderen Weg mehr gehen könnten. Auf solche Menschen trifft Kerkeling zuhauf und mit den nettesten von ihnen freundet er sich an.
Freiweg schildert Hape seine Erfahrungen. Der flapsige Tonfall steht der Ernsthaftigkeit der ganzen Sache nicht im Weg. Im Gegenteil – er bereichert das Geschilderte und schützt vor falscher Frömmigkeit. In diesem Sinne ist das Buch absolut realistisch und spiegelt meine eigene Erfahrung wieder, wenn es die körperliche Erschöpfung beschreibt oder von Begegnungen mit eigenartigen Menschen und bereichernden Freundschaften handelt. Jede Erfahrung, die man hier macht, sei sie ärgerlich oder freudig, ist bereichernd, da sie sich immer auf uns selbst bezieht und uns über uns selbst belehrt. Das ist eine Hauptaussage von Kerkelings Buch, der ich voll zustimmen kann. Eine in jeder Beziehung gute Lektüre.
Thomas Reuter
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Mit Hape Kerkeling habe ich gemein, dass wir beide aus Recklinghausen stammen. Ansonsten kann ich viel und gern über den Komiker Kerkeling lachen, würde mich aber nicht als echten “Fan” bezeichnen. Deshalb habe ich zwar interessiert zugehört, als begeisterte Freunde von diesem Buch erzählten, wäre selbst aber nie auf die Idee gekommen, es mir zu kaufen. Bis es dann an Weihnachten “zufällig” in meine Hände fiel – jemand hatte es doppelt gekommen und ich fand mich als dankbarer Abnehmer…
Danach habe ich das Buch verschlungen und mich glänzend unterhalten gefühlt. Vielleicht kann Kerkeling auch gar nicht anders als unterhalten; er ist nun mal Entertainer. Und vielleicht ist es auch das, was andere an dem Buch stört. Doch mit Verlaub, liebe Pilgerinnen und Pilger, liebe nach-der-Erleuchtung-Suchenden, liebe Spiritualisten – ihr habt doch von Kerkeling wohl auch nichts anderes erwartet?
Mich erinnerten viele Passagen an meine Interrailreisen, die ich als 17-, 18-Jähriger unternommen hatte: irgendwie hatte man schon nach zwei Tagen keine Lust mehr und reiste doch mehr oder minder munter weiter; man fluchte über die Mehrbettzimmer in den Jugendherbergen und freute sich doch über die vielen interessanten Kontakte, die man dort machte. Alles in allem wäre ein Bericht über eine dieser Reisen in vielem dem Kerkelings recht ähnlich geworden. Und ich glaube, so ähnlich muss man Kerkelings Buch auch lesen. Als amüsanten, rein subjektiven Bericht über eine sehr persönliche Reise.
Aber: Wer auch nur ein klein wenig zwischen den Zeilen liest, der merkt, dass dieser “Trip” für Kerkeling zu weit mehr geworden ist, als zu einer “späten Interrailreise”. Vieles, was dieser Weg bei seinen “Beschreitern” bewirken soll, ist bei ihm tatsächlich so angekommen. Und auch diese “ganz eigene Nähe zu Gott” (Klappentext) hat er wohl wirklich so empfunden – und das ganz ohne Komik, Verulkung oder gar dem Wunsch nach Geldmacherei. Insofern ist “Ich bin dann mal weg” ein wirklich ehrliches Buch; ehrlicher vielleicht als manche “echten” Pilger-Bücher über den Jakobsweg.
Und: verblüffend ist auch die Offenheit, mit der Kerkeling an mancher Stelle sehr Privates preisgibt. Von der Schilderung, wie ihm der Einstieg ins Showgeschäft gelang bis hin zu Erzählungen über seine Erfahrungen mit dem Tod – vieles hätte man so nicht von ihm erwartet.
Insofern ist “Ich bin dann mal weg” nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch überraschendes Buch. Keine Anleitung zum Pilgern, schon gar nichts Spirituelles, aber ein wirklich lesenswertes, nettes, kleines Buch, das mir meinen ehemaligen Nachbarn noch sympathischer gemacht hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Hape Kerkeling beschreibt seine fast 800 km lange Pilgerwanderung durch Nordspanien nach Santiago de Compostela.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch einen Vorabdruck eines Kapitels in der ZEIT. Und dass empfand ich als so geistreich und lustig, dass kein Weg an einem Erwerb des Buches vorbeiging.
Jedes Kapitel entspricht einer Wanderetappe (20 bis 30 km!), erlaufen von einem völlig Ungeübten, einer “Couch Potatoe”, wie er sich selbst nennt.
Er beschreibt Landschaft und Orte, die abgeforderten körperlichen Höchstanstrengungen, seine teilweise kuriosen Erlebnisse mit Landsleuten und Pilgern und herzliche Wanderfreundschaften.
Es gibt auch ein paar kurze Exkursionen in Kerkelings Biographie.
Alles ist ausgesprochen kurzweilig und amüsant, da er so schreibt wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Manchmal hört man ihn beinahe sprechen. Man darf hier also kein literarisches Meisterwerk erwarten. Es ist eine Reisebeschreibung – und zwar eine ganz tolle!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Ein Komiker auf dem Weg zur Erleuchtung,
Ein Komiker auf dem Jakobsweg. Kann das gut gehen? Als jemand, der selber schon die Hälfte der Strecke des Camino de Santiago hinter sich gebracht hat, war ich skeptisch. Zwei Jahre lang stand das Buch ungelesen im Regal. Schon der Titel “Ich bin dann mal weg” schien mir viel zu flapsig. Nach der Lektüre bin ich jedoch vollkommen überzeugt von Hape Kerkelings Projekt. Das Buch ist meiner Ansicht nach die offenste, ehrlichste und repräsentativste Erzählung vom Jakobsweg unter der Masse der Jakobswegliteratur. Es repräsentiert den heutigen Durchschnittspilger – sieht man von Kerkelings Exponiertheit als Entertainer einmal ab. Hape Kerkeling beschreibt sich als einen von tausenden Pilgern, die glauben aufbrechen zu müssen und diesen Weg gehen. Bei den wenigsten spielen kirchenreligiöse Gründe eine Rolle, eher schon religiöse, meistens jedoch einfach menschliche. Bei dem größten Teil der Pilgerschar handelt es sich nämlich um irgendwie aus-der-Bahn-Geworfene, die auf dem Camino wieder einen Weg zu sich selber suchen. Kerkeling zitiert zu Anfang seinen Reiseführer, in dem es heißt, dass die Menschen sich seit vielen Jahrhunderten auf die Reise zum heiligen Jakob machten, wenn sie wörtlich und im übertragenen Sinne keinen anderen Weg mehr gehen könnten. Auf solche Menschen trifft Kerkeling zuhauf und mit den nettesten von ihnen freundet er sich an.
Freiweg schildert Hape seine Erfahrungen. Der flapsige Tonfall steht der Ernsthaftigkeit der ganzen Sache nicht im Weg. Im Gegenteil – er bereichert das Geschilderte und schützt vor falscher Frömmigkeit. In diesem Sinne ist das Buch absolut realistisch und spiegelt meine eigene Erfahrung wieder, wenn es die körperliche Erschöpfung beschreibt oder von Begegnungen mit eigenartigen Menschen und bereichernden Freundschaften handelt. Jede Erfahrung, die man hier macht, sei sie ärgerlich oder freudig, ist bereichernd, da sie sich immer auf uns selbst bezieht und uns über uns selbst belehrt. Das ist eine Hauptaussage von Kerkelings Buch, der ich voll zustimmen kann. Eine in jeder Beziehung gute Lektüre.
Thomas Reuter
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Missbrauch melden
| Kommentar als LinkRespekt, Herr Kerkeling,
Mit Hape Kerkeling habe ich gemein, dass wir beide aus Recklinghausen stammen. Ansonsten kann ich viel und gern über den Komiker Kerkeling lachen, würde mich aber nicht als echten “Fan” bezeichnen. Deshalb habe ich zwar interessiert zugehört, als begeisterte Freunde von diesem Buch erzählten, wäre selbst aber nie auf die Idee gekommen, es mir zu kaufen. Bis es dann an Weihnachten “zufällig” in meine Hände fiel – jemand hatte es doppelt gekommen und ich fand mich als dankbarer Abnehmer…
Danach habe ich das Buch verschlungen und mich glänzend unterhalten gefühlt. Vielleicht kann Kerkeling auch gar nicht anders als unterhalten; er ist nun mal Entertainer. Und vielleicht ist es auch das, was andere an dem Buch stört. Doch mit Verlaub, liebe Pilgerinnen und Pilger, liebe nach-der-Erleuchtung-Suchenden, liebe Spiritualisten – ihr habt doch von Kerkeling wohl auch nichts anderes erwartet?
Mich erinnerten viele Passagen an meine Interrailreisen, die ich als 17-, 18-Jähriger unternommen hatte: irgendwie hatte man schon nach zwei Tagen keine Lust mehr und reiste doch mehr oder minder munter weiter; man fluchte über die Mehrbettzimmer in den Jugendherbergen und freute sich doch über die vielen interessanten Kontakte, die man dort machte. Alles in allem wäre ein Bericht über eine dieser Reisen in vielem dem Kerkelings recht ähnlich geworden. Und ich glaube, so ähnlich muss man Kerkelings Buch auch lesen. Als amüsanten, rein subjektiven Bericht über eine sehr persönliche Reise.
Aber: Wer auch nur ein klein wenig zwischen den Zeilen liest, der merkt, dass dieser “Trip” für Kerkeling zu weit mehr geworden ist, als zu einer “späten Interrailreise”. Vieles, was dieser Weg bei seinen “Beschreitern” bewirken soll, ist bei ihm tatsächlich so angekommen. Und auch diese “ganz eigene Nähe zu Gott” (Klappentext) hat er wohl wirklich so empfunden – und das ganz ohne Komik, Verulkung oder gar dem Wunsch nach Geldmacherei. Insofern ist “Ich bin dann mal weg” ein wirklich ehrliches Buch; ehrlicher vielleicht als manche “echten” Pilger-Bücher über den Jakobsweg.
Und: verblüffend ist auch die Offenheit, mit der Kerkeling an mancher Stelle sehr Privates preisgibt. Von der Schilderung, wie ihm der Einstieg ins Showgeschäft gelang bis hin zu Erzählungen über seine Erfahrungen mit dem Tod – vieles hätte man so nicht von ihm erwartet.
Insofern ist “Ich bin dann mal weg” nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch überraschendes Buch. Keine Anleitung zum Pilgern, schon gar nichts Spirituelles, aber ein wirklich lesenswertes, nettes, kleines Buch, das mir meinen ehemaligen Nachbarn noch sympathischer gemacht hat.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Missbrauch melden
| Kommentar als LinkRichtig gut!!!,
Hape Kerkeling beschreibt seine fast 800 km lange Pilgerwanderung durch Nordspanien nach Santiago de Compostela.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch einen Vorabdruck eines Kapitels in der ZEIT. Und dass empfand ich als so geistreich und lustig, dass kein Weg an einem Erwerb des Buches vorbeiging.
Jedes Kapitel entspricht einer Wanderetappe (20 bis 30 km!), erlaufen von einem völlig Ungeübten, einer “Couch Potatoe”, wie er sich selbst nennt.
Er beschreibt Landschaft und Orte, die abgeforderten körperlichen Höchstanstrengungen, seine teilweise kuriosen Erlebnisse mit Landsleuten und Pilgern und herzliche Wanderfreundschaften.
Es gibt auch ein paar kurze Exkursionen in Kerkelings Biographie.
Alles ist ausgesprochen kurzweilig und amüsant, da er so schreibt wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Manchmal hört man ihn beinahe sprechen. Man darf hier also kein literarisches Meisterwerk erwarten. Es ist eine Reisebeschreibung – und zwar eine ganz tolle!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Missbrauch melden
| Kommentar als Link