Rezension bezieht sich auf: Patentöchter: Im Schatten der RAF – ein Dialog (Gebundene Ausgabe)
Das Kind, das auf dem Nachhauseweg die Fahndungsplakate mit dem Foto seiner Schwester sieht – jeden Tag. Die Tochter, deren Vater von Terroristen ermordet wird und deren Familie faktisch allein bleibt mit ihrer Trauer. Die heute noch in den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde nach den wahren Zusammenhängen sucht. Die Witwe, die erleben muss, wie Filmemacher entscheiden, wie sich die Tat abspielte, deren Zeugin sie war. Wir haben so vieles über die RAF gelesen, gesehen, gehört. Aber meist entweder aus der Sicht der politisch und soziologisch Interessierten oder aus Sicht der Terror-Voyeuristen. Die Perspektive der Angehörigen ist bislang völlig unterbelichtet gewesen. In diesem Buch ist sie die einzige Perspektive. Nah, nachdenklich und ergreifend. Ein mutiges Buch dieser beiden Patentöchter. Und auch wenn man nicht jede Ansicht teilen mag. Der Wechsel der Perspektive bringt vieles in einem selbst in Bewegung. Ins Nachdenken. Mehr kann ein Buch nicht tun.
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Rezension bezieht sich auf: Patentöchter: Im Schatten der RAF – ein Dialog (Gebundene Ausgabe)
Zwischen all der Literatur und den Filmen, die zur RAF erschienen sind, wird dieses Buch vielleicht einmal als Meilenstein stehen, der gezeigt hat, welche Folgen der blindwütige deutsche Terrorismus für die Opfer mit sich gebracht hat.
Corinna Ponto, Tochter des von der RAF ermorderten Bankiers Jürgen Ponto, und Julia Albrecht, Schwester der Mittäterin Susanne Albrecht, haben es gewagt, einen Dialog zu beginnen über Fragen von Schuld der Täter und Mitschuld der Täterfamilie und die Auswirkungen des Mordes. Dieser Dialog zeigt, dass die Wunden, welche die Tat riss, nicht vernarbt sind. Es wird schnell klar, dass beider Leben durch die Tat von Susanne Abrecht und ihrer Komplizen verändert wurde und bis heute geprägt ist. Beide Frauen leben immer noch, wie es im Untertitel des Buches richtig heisst, im Schatten der RAF. Und dennoch macht das Gespräch Mut, dass hier ein Prozess der Heilung in Gang kommen könnte. Wobei man sich natürlich darüber klar sein muss, dass hier nicht Opfer und Täter miteinander reden, sondern eher zwei Opfer. Julia Albrecht hat durch die Tat ihrer Schwester auch gelitten. Ihr Mut sich quasi stellvertretend für ihre Schwester mit der Bitte um Verzeihung an die Familie Ponto zu wenden ist sicher genauso erstaunlich, wie die Empathiefähigkeit von Corinna Ponto, die auch das Leid der Täterfamilie als Leid gelten lässt.
Letztlich zeigt der Dialog zwar, dass die Gefühle der beiden Frauen zu unterschiedlich und ambivalent sind, um sich wirklich zu versöhnen, aber allein der Versuch ist bewundernswert.
Das Buch zeigt auch, dass die Terroristen der RAF, die heute ja fast alle wieder auf freiem Fuss, sind, letzlich feige sind. Gerade am Beispiel Susanne Albrechts, die sogar gegenüber ihrer eigenen Familie eine Erklärung zu ihrem Verhalten verweigert wird deutlich, dass hier Verdrängung und Schönfärben der eigenen Vergangenheit offenbar die Reflektion ersetzen. Peter Jürgen Boock, der sonst viel Unsinn redet, hat dieses Verhalten Haltung seiner Exgenossen zu Recht mit der Haltung verglichen, die viele NS-Täter nach dem Krieg entwickelt haben.
Ich fand das Buch ungeheuer bewegend und dank der darin enthaltenen Briefe und Zeitzeugnisse auch sehr informativ. Bislang bot nur das ebenfalls hervorragende Buch von Anne Siemens “Für die RAF war er das System, für mich war er der Vater” eine Möglichkeit, die Opferperspektive zu erfahren. Patentöchter zeigt diese Perspektive, die leider ansonsten in der Literatur weitgehend unberücksichtigt bleibt, mit erfreulicher Klarheit und viel Mut. Absolut lesenswert.
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Nah, nachdenklich und ergreifend,
Das Kind, das auf dem Nachhauseweg die Fahndungsplakate mit dem Foto seiner Schwester sieht – jeden Tag. Die Tochter, deren Vater von Terroristen ermordet wird und deren Familie faktisch allein bleibt mit ihrer Trauer. Die heute noch in den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde nach den wahren Zusammenhängen sucht. Die Witwe, die erleben muss, wie Filmemacher entscheiden, wie sich die Tat abspielte, deren Zeugin sie war. Wir haben so vieles über die RAF gelesen, gesehen, gehört. Aber meist entweder aus der Sicht der politisch und soziologisch Interessierten oder aus Sicht der Terror-Voyeuristen. Die Perspektive der Angehörigen ist bislang völlig unterbelichtet gewesen. In diesem Buch ist sie die einzige Perspektive. Nah, nachdenklich und ergreifend. Ein mutiges Buch dieser beiden Patentöchter. Und auch wenn man nicht jede Ansicht teilen mag. Der Wechsel der Perspektive bringt vieles in einem selbst in Bewegung. Ins Nachdenken. Mehr kann ein Buch nicht tun.
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| Kommentar als LinkÜber die Notwendigkeit miteinander zu sprechen,
Zwischen all der Literatur und den Filmen, die zur RAF erschienen sind, wird dieses Buch vielleicht einmal als Meilenstein stehen, der gezeigt hat, welche Folgen der blindwütige deutsche Terrorismus für die Opfer mit sich gebracht hat.
Corinna Ponto, Tochter des von der RAF ermorderten Bankiers Jürgen Ponto, und Julia Albrecht, Schwester der Mittäterin Susanne Albrecht, haben es gewagt, einen Dialog zu beginnen über Fragen von Schuld der Täter und Mitschuld der Täterfamilie und die Auswirkungen des Mordes. Dieser Dialog zeigt, dass die Wunden, welche die Tat riss, nicht vernarbt sind. Es wird schnell klar, dass beider Leben durch die Tat von Susanne Abrecht und ihrer Komplizen verändert wurde und bis heute geprägt ist. Beide Frauen leben immer noch, wie es im Untertitel des Buches richtig heisst, im Schatten der RAF. Und dennoch macht das Gespräch Mut, dass hier ein Prozess der Heilung in Gang kommen könnte. Wobei man sich natürlich darüber klar sein muss, dass hier nicht Opfer und Täter miteinander reden, sondern eher zwei Opfer. Julia Albrecht hat durch die Tat ihrer Schwester auch gelitten. Ihr Mut sich quasi stellvertretend für ihre Schwester mit der Bitte um Verzeihung an die Familie Ponto zu wenden ist sicher genauso erstaunlich, wie die Empathiefähigkeit von Corinna Ponto, die auch das Leid der Täterfamilie als Leid gelten lässt.
Letztlich zeigt der Dialog zwar, dass die Gefühle der beiden Frauen zu unterschiedlich und ambivalent sind, um sich wirklich zu versöhnen, aber allein der Versuch ist bewundernswert.
Das Buch zeigt auch, dass die Terroristen der RAF, die heute ja fast alle wieder auf freiem Fuss, sind, letzlich feige sind. Gerade am Beispiel Susanne Albrechts, die sogar gegenüber ihrer eigenen Familie eine Erklärung zu ihrem Verhalten verweigert wird deutlich, dass hier Verdrängung und Schönfärben der eigenen Vergangenheit offenbar die Reflektion ersetzen. Peter Jürgen Boock, der sonst viel Unsinn redet, hat dieses Verhalten Haltung seiner Exgenossen zu Recht mit der Haltung verglichen, die viele NS-Täter nach dem Krieg entwickelt haben.
Ich fand das Buch ungeheuer bewegend und dank der darin enthaltenen Briefe und Zeitzeugnisse auch sehr informativ. Bislang bot nur das ebenfalls hervorragende Buch von Anne Siemens “Für die RAF war er das System, für mich war er der Vater” eine Möglichkeit, die Opferperspektive zu erfahren. Patentöchter zeigt diese Perspektive, die leider ansonsten in der Literatur weitgehend unberücksichtigt bleibt, mit erfreulicher Klarheit und viel Mut. Absolut lesenswert.
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