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Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden – Der legendäre Mordermittler deckt auf
Wenn aus Menschen Mörder werden. Der legendäre Mordermittler deckt aufErscheinungsjahr: 2010
Gewicht: 476 gr / Abmessungen: 215 mm x 135 mm
Von Wilfling, JosefPressestimmen:
"Kaum jemand blickt so oft und so tief in menschliche Abgründe, wie ein Mordermittler." (Münchner Merkur)
Amazon Preis: EUR 14,99
Morde aus der Sicht eines Ermittlers,
Das Buch ist aus der Sicht eines Kriminalbeamten geschrieben, der 22 Jahre bei der Münchner Mordkommission tätig war. Aufgabe von Kriminalbeamten ist es Fälle so aufzuklären, dass dem Staatsanwalt eine Anklage möglich ist. Um die psychologischen Hintergründe einer Tat geht es dabei weniger. Gerade bei Morden, die “erbarmungs- und gefühllos”, “brutal und kaltblütig” erscheinen stellt sich – wenn man nur die Tat als solche betrachtet – Unverständlichkeit und Fassungslosigkeit ein. Die persönliche Historie der Täter, ist in diesem Buch weitgehend ausgeblendet; damit hat sich der Kriminalbeamte nicht oder nur am Rande zu beschäftigen. Insofern bleibt Wilfling bei der Schilderung der ausgesucht spektakulären Mordfälle in diesem Buch vorwiegend an der nach außen erkennbaren Oberfläche.
Die Tat als solche und die damit verbundenen polizeilichen Ermittlungen, hat Wilfling indes sehr authentisch geschildert, insbesondere den Fall des Sexualmörders Alexander W., zu dem er eine besondere Beziehung aufbauen konnte, die er dann (listig?) zur endgütligen Klärung des Falles nutzte. Hier und auch in dem Fall des aus “Habgier” mordenden Kriminalbeamten Klaus F. gibt Wilfling Einblick in die Ermittlungsmethoden, den Umgang mit Beschuldigten und welche Schlüsse aus bestimmten Äußerungen und Verhaltensweisen bei einer polizeilichen Vernehmung ein erfahrener Kriminalist zieht. Die Darstellung dieser beiden Fälle ist Wilfling deshalb auch weitaus am besten gelungen.
Natürlich mokiert sich Wilfling – wohl zu Recht – über milde Richter, die im Jugendstrafrecht sehr viel “Verständnis für die Sorgen und Nöte der jungen Leute” zeigen, auch wenn sie morden und vergewaltigen. Und Wilfling kann sich auch nicht verkneifen, zu erwähnen, dass die durchschnittliche Haftdauer für Mörder in manchen Bundesländern nicht mehr als acht Jahre beträgt, während es in “rückständigen” Bayern noch immer ca. 18 Jahre (“wer weiß wie lange noch”) sind.
Immerhin gesteht Wilfling aber auch zu, dass auch Ermittler Vorurteile haben, gegen die sie tagtäglich ankämpfen müssen.
Fazit: Nicht unbedingt ein Buch für feinsinnige Intellektuelle, die sich für die Psychologie eines Täters, wohl aber für Leser, die sich für spannend geschriebene, wirklich spektakuläre Kriminalfälle aus der Sicht eines Ermittlers interessieren.
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| Kommentar als LinkMörder, wie sie wirklich sind,
Jahrzehntelang war er Ermittler in München in unzähligen Mordkommissionen, hat an die 100 Mordfälle bearbeitet. In diesem Buch schildert er einige davon, die Ermittlungen, die Hindernisse, wieviele Beamte an solchen Ermittlungen beteiligt sind und wie frustrierend die Arbeit sein kann.
Frustrierend auch oft seine Erfahrungen mit Gerichten. Verständlich, denn oft lassen sie Menschen laufen, die die Beamten für schuldig halten. Aber andererseits: Wer würde schon gerne in einem Land leben, in dem die Gerichte nicht im Zweifelsfall für den Angeklagten entscheiden würden?
Fälle und Ermittlungen sind spannend und gut beschrieben, das Buch liest sich weg wie ein Krimi und gruselt weit mehr: Immerhin haben wir es hier mit echten Leichen zu tun, mit echtem Blut und nicht mit Tomatenketchup. Interessant natürlich, worin sich reale Ermittlungsarbeit und Krimi unterscheiden – und worin sie sich dann doch treffen. Im Verhör zum Beispiel. “Auch der erfahrenste Vernehmungsbeamte kann nie sagen, wie eine Vernehmung verlaufen und wie sie enden wird”, sagt er. Oft ist der Satz “Ich kann doch nicht was gestehen, was ich nicht getan habe”, der Anfang zu einem richtigen Geständnis.
Eindrücklich schildert er einige Fälle, in denen das Verhör zum Geständnis führte und zeigt, wie wichtig eine “menschliche” Verhörtechnik ist. Eine, die den Angeklagten ernst nimmt, ihn bestätigt und quasi die Welt durch seine Brille sieht. Nicht ganz einfach, denn das erfordert einiges. Vor allem, wenn man es mit einem Sexual-Täter zu tun hat oder mit einem Kollegen der Polizei, der aus reiner Habgier zwei Menschen abschlachtet. Diese beiden Fälle werden am eindrücklichsten, ausführlichsten geschildert, hier liefert Wilfert nicht nur eine Schilderung der Ermittlungen, sondern gleich noch ein Psychogramm der Täter. Im Fall des Polizisten gesteht er freimütig, wie schwierig es war, gegen jemand zu ermitteln, der quasi “Familienangehöriger” war – auch wenn Wilfig natürlich wusste, dass Polizisten genauso morden können wie andere Menschen auch.
Auch die anderen Fällen lässt er lebendig werden und zeigt, warum er zur Meinung kam, jeder Mensch könne zum Mörder werden.
Dass der mordende Polizist ganz am Schluss zu ihm sagt: “Ich hab es getan. Sie haben es von Anfang an gewusst, Herr Wilfling. Ja? Sie haben es gewusst” ist ein schwacher Trost, nachdem er in der Nacht zuvor die Leichen besichtigen musste und nun das ausführliche Geständnis eines kaltschnäuzigen Täters anhören muss.
Ein Buch, das spannender ist als so mancher Krimi.
Hans Peter Roentgen
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