Der Geschmack von Apfelkernen

3 Responses to Der Geschmack von Apfelkernen

  1. Winfried Stanzick
    60 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    5.0 von 5 Sternen
    Nicht nur das Vergessen ist eine Form des Erinnerns, sondern auch das Erinnern eine Form des Vergessens, 12. Januar 2009
    Von 
    Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (HALL OF FAME REZENSENT)
      
    (TOP 10 REZENSENT)
      

    Dieses Buch der in Hamburg lebenden Autorin Katharina Hagena ist eines der schönsten, die ich im vergangenen Herbst gelesen habe. Sie erzählt darin die Geschichte von Iris, eine jungen Frau, die sich nach dem Tod ihrer Großmutter Bertha damit konfrontiert sieht, dass diese ihr das Haus vererbt hat, in dem sie lange lebte und das Iris aus ihrer Kindheit sehr gut kennt.

    Eigentlich will sie nur ein paar Tage von ihren Job als Bibliothekarin im Süddeutschen wegbleiben, um dort im Norddeutschen die erblasserischen Angelegenheiten zu klären. Doch als sie beginnt, durch die Zimmer des großmütterlichen Hauses zu streifen und insbesondere durch den mittlerweile verwilderten Garten, da beginnt sie sich zu erinnern.

    Und Katharina Hagena setzt sie mit einer wunderbaren und poetischen Sprache voller Hinter- und Tiefsinn nicht nur auf die Spur in die eigene Kindheit, sondern auch in die Geschichte ihrer Verwandtschaft:

    “Und ich stellte fest, dass nicht nur das Vergessen eine Form des Erinnerns war, sondern auch das Erinnern eine Form des Vergessens.”

    Diese Seelenarbeit ihrer Protagonistin, an der die Autorin ihre Leser teilhaben lässt, hat etwas Heilendes. Sie schließt ab und öffnet zugleich Neues, auch im Leben von Iris, die bei ihrem Aufenthalt im Ort der Kindheit dem jungen Anwalt, der die Erbsache bearbeitet, näher kommt, und mit ihm eine Geschichte beginnt, die sie nie für möglich gehalten hätte …

    Ein schönes Buch, das nicht umsonst bis zum heutigen Tag zwölf (!) Auflagen erlebt hat. Ich warte gespannt auf das nächste Buch dieser Autorin, die mich mit ihrem Buch so berührt hat.

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  2. sauvignon "sauvignon787"
    21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    4.0 von 5 Sternen
    Das Vergessen und das Erinnern, 10. August 2008

    Ein Roman über das Vergessen und das Erinnern.
    Interessanterweise wird man die bisweilen sehr triviale Story schnell vergessen – an das Buch wird man sich dennoch erinnern.
    Zugegeben, anfangs ist der Roman recht langweilig, gar gelangweilt präsentiert. Recht verwirrend sind auch die nicht prägnant dargestellten Verhältnisse zwischen den Personen — Wer war noch gleich die Mutter? Ist das nun die Tante oder die Kusine der Schwester? Zurückblättern wäre hier zu empfehlen…
    Alles in allem daher ein mäßiger, etwas frustrierender Anfang.

    Glücklicherweise wird das Buch besser.
    Die Story kommt voran, man schließt die Erzählerin ins Herz und — wer verliebt sich nicht in die wunderbare Poesie, den leisen Humor und den gekonnten, originellen Sprachumgang der Autorin?
    Somit kann man sich für diesen Roman durchaus begeistern; vor allem sollte man sich nicht durch den etwas zähen Beginn entmutigen lassen.

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  3. 120 von 136 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    5.0 von 5 Sternen
    Ein altes Haus und der Duft der Erinnerung!, 2. April 2008

    Der Titel “Der Geschmack von Apfelkernen” und der wunderbare Einband lassen den Leser schon hoffen: Auf eine Erzählung, die man förmlich riechen und schmecken kann.
    Und genau dieses Versprechen wird eingelöst:
    Der Debütroman der knapp 40-jährigen Autorin Katharina Hagena ist ein Ausflug in das Reich der Erinnerungen der Protagonistin Iris, die stets getragen werden von Düften und Gerüchen, von optischen Deja-Vus und blitzartig aufflammenden Vergangenheitsfetzen.

    Iris hat das Haus ihrer Großmutter Bertha geerbt. Nach dem Begräbnis bleibt sie für einige Tage in Bootshaven, irgendwo in Norddeutschland.
    Auf dem alten Hof verbrachte Iris gemeinsam mit ihrer Mutter Christa stets die Ferien. Bis zu einem Augusttag, an dem ihre zwei Jahre ältere Cousine Rosmarie auf tragische Weise ums Leben kam.
    Sie nimmt wieder eine geistige Verbindung mit den Menschen auf, die einst in diesem Haus lebten.
    Ihre Großmutter Bertha und ihre jung verstorbene Schwester Anna wuchsen dort bereits auf. Bertha heiratete Hinnerk, einen schwierigen und wütenden Mann, mit dem sie schließlich drei Töchter bekam.
    Es sind vor allem die Frauen der Familie, die auch Iris prägten:
    Ihre Tanten Harriet und Inga, ihre Mutter, ihre Cousine Rosmarie und deren beste Freundin Mira. Aber diese Frauensolidarität ist empfindlich aus dem Gleichgewicht geraten, als Iris, Mira und Rosmarie ihren letzten gemeinsamen Sommer dort verlebten…

    Iris ist inzwischen erwachsen. Der Tod der Großmutter hat alle noch einmal nach Bootshaven geführt. Sie weiß nicht, was sie mit ihrem Haus anfangen soll. So streicht sie eine Woche durch die Umgebung, das weitläufige Gartengrundstück, öffnet Schränke und Truhen und trifft Max wieder, den jüngeren Bruder von Mira, den die Mädchen damals nur am Rande wahrnahmen.

    Und irgendwann wird Iris sich entscheiden…

    “Der Geschmack von Apfelkernen” ist ein wunderbares Buch voller Tiefgang. Ruhig und kraftvoll entwickelt sich diese Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen, lebt von lebendig geschilderten Stimmungen und Wahrnehmungen.
    Katharina Hagena haucht nicht nur den drei Frauengenerationen der Deelswaters/Lünschens Leben ein. Das lange unbewohnt gebliebene Haus erwacht bei den Erinnerungen von Iris zu neuem Leben, auch die Abwesenden und die Toten. Verdrängtes und Vergessenes gerät wieder an die Oberfläche und findet im Verlauf der Geschichte wie in einem großen Puzzle genau den richtigen Platz.
    Dieses Buch sollte man sich nicht entgehen lassen!

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