Dez
31
Anleitung zum Unglücklichsein
Anleitung zum Unglücklichsein Nein, bei Sachbüchern geht es so nicht. Sprecher erzählender Werke dürfen durchaus einmal sinnwidrig betonen. Man verkraftet es, wenn aus "und er folgte(betont) ihr" ein "und er folgte ihr(betont)" wird. Bei einem argumentierenden Text dagegen muss das gemarterte Hörerhirn die ganze Zeit den verschobenen Sinn wieder gerade rücken, um am Ball zu bleiben. Mühsam, nicht vergnüglich. Da hier obendrein ein Schauspieler am Werk ist, dessen süddeutsch geprägtes Organ unserem Ohr sehr gekonnt zu suggerieren versteht, hier spräche die Weisheit selbst, findet man sich immer wieder eingelullt und schreckt dann nach einer Handvoll Sinnwidrigkeiten hoch: Wie denn, was nun, wer ist tot? Fazit: Ziemlich anstrenge
Amazon Preis: EUR 8,95
Vorwärts lesen und rückwärts denken,
Wenige Bücher tauchen vermutlich bei sowohl Stammtischdiskussionen als auch während zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen so häufig und explizit auf wie diese Anleitung. Der Titel ist tatsächlich so gemeint: Watzlawick beschreibt detailliert Wege, sich und andere in das tiefe und nie endende Unglück zu stürzen. Krankheiten, die unterstellte Böswilligkeit anderer und implizierte Motivationen geben niemandem eine Chance, in irgend einer Weise glücklich, zufrieden oder auch nur sympathisch zu erscheinen.
Wer nun aber doch eher glücklich sein möchte, sollte sich der Ironie Watzlawicks und den zwischenzeiligen Gedankengängen nicht verschließen. Umgekehrte Vorzeichen machen aus diesem Werk eine durchaus anwendbare Anleitung zum Glück – oder zumindest doch einen kleinen Schritt darauf zu. Man muss die Sätze lediglich gegenteilig verstehen.
Ein Buch für Mitdenker, die sich nicht scheuen, an ihre eigenen (falschen) Reaktionen erinnert zu werden. Zwischenmenschliche Psychologie leicht gemacht, humoristisch verpackt und mit tiefem gedanklichen Nachgeschmack – wer sich beim Lesen lachen und beim Nachdenken weinen hören möchte, sollte sich dieses Buches unbedingt annehmen.
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| Kommentar als LinkParadoxe Intervention,
Dieses Buch ist ein Klassiker der humanistischen Psychologie. Man könnte meinen, Watzlawik habe den grandiosen Versuch aufgegeben, die Menschen mit Hilfe der Psychologie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Statt dessen stellt er sich ganz auf die Seite der Zweifler & des Widerstands, mit der Autorität der Fachkraft bekräftigt & beweist er die Sinnhaftigkeit destruktiven Denkens. Vordergründig lustige Geschichten über alltägliche Begebenheiten lassen den Leser jedoch ahnen, wie das negative Denken über sich & andere auch das große Weltgeschehen bestimmen, und zu entsprechend verheerenden Ergebnissen führt. Ähnliche Characktere zeigt uns auch Michael Moore in seinen Filmen, wenn er z. B. die paranoide Haltung der US-Amerikaner aufzeigt. Der Zusammenhang zwischen Mißtrauen, sich-bedroht-fühlen und der ständige Wahn sich verteidigen zu müssen (oder lieber doch präventiv angreifen) bestimmt die Welt-Politik. Und natürlich ist auch in den meisten von uns ein Anteil paranoider Weltsicht vorhanden, die uns Beziehungen scheitern, oder gar nicht erst aufbauen läßt… “mit SO JEMANDEN lasse ich mich doch nicht ein!”
Watzlawik spiegelt uns diese Haltung, karikiert sie, und es ist interessant zu sehen, wie wir darauf reagieren. Lesen Sie die anderen Rezensionen auch, es sind alles die Beschreibungen von Menschen, die in diesen Spiegel geschaut haben.
Bei vielen löst das Buch eine Reaktion aus, bei manchen ein Nachdenken. Vielleicht denkt der eine oder andere auch mal darüber nach, wie ihm / ihr Mißtrauen beigebracht wurde. Es ist Teil unserer Kultur.
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| Kommentar als LinkNichts ist schöner als unsere Illusionen,
Eine meiner schlechten Eigenschaften ist es, Bücher nicht nur von vorne, sondern auch von hinten zu beginnen. Manchmal erspart man sich damit die intellektuelle Qual, zu versuchen den Autor zu verstehen, denn hinten offenbart er uns nicht selten, wie wir sein Werk zu begreifen haben. Im Epilog dieses “Kultbuches” steht: “Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Das hat man uns schon gesagt, als wir noch Kinder waren. Und in unserem Kopf wissen wir es auch; aber glauben tun es nur einige wenige Glückliche. Glaubten wir es nämlich, dann wüßten wir, daß wir nicht nur die Schöpfer unseres eigenen Unglücklichseins sind, sondern genausogut unsere Glücklichkeit selbst schaffen könnten.” Dann zitiert der Autor seinen Lieblingsschriftsteller Dostojewski: “Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. … Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick…”, um dann selbst das Buch mit dem Satz zu beenden: “So hoffnungslos einfach ist die Lösung.” Wenn wir das Buch von vorne beginnen, dann gibt es viele Gründe zu schmunzeln oder zu lachen. Unsere täglichen Spielchen mit den anderen werden uns erklärt. Am Ende des Buches haben wir es verstanden, schließlich sind wir ja nicht bescheuert. Und beim Zuklappen des Textes sind wir dann auf der Stelle glücklich. Oder wie war die Logik? Nicht das wir uns falsch verstehen. Ich finde das Buch gut. Ich habe auch gelacht, besonders natürlich über den Autor. Denn Paule ist ein Schlitzohr. Im Abschnitt “Vor Ankommen wird gewarnt” zitiert er zu Beginn das angebliche japanische Sprichwort “It is better to travel hopefully than to arrive.”. Das genau ist das Grundprinzip dieses Buches. Wenn wir das Buch lesen, haben wir die Hoffnung, daß wir erkannt haben, was wir ändern müssen um glücklich zu sein oder auch nur glücklicher zu werden. Während des Lesens und vielleicht auch noch so lange wie sein Inhalt oder das, was wir dafür halten, in unserem Kopf ist, fühlen wir uns gut. Ja, so ist es, sagen wir uns. Und wir beschließen vielleicht, daß wir nun einiges ändern in unserem Leben. Und dann kommen wir bald wieder in der grausigen Realität an und merken, daß es nicht ganz so einfach ist wie gedacht. Ich habe mich schon immer gefragt, wie es Leute schaffen, aus Sachbüchern Bestseller zu machen und damit reich zu werden. Paul hat es mir erklärt. Man muß unsere Illusionen verstärken, uns erklären wie schön und einfach alles sein kann, wenn wir nur wollten und es endlich begreifen würden. Bestimmt wird mich keiner für diese Zeilen lieb haben. Auch dazu hat Paul etwas geschrieben: “Wir haben es nicht gerne, wenn uns jemand an die Verlogenheit unserer eigenen Welt erinnert.”
Ein schönes Buch. Sehr empfehlenswert. Vor dem Verschenken wird nachdrücklich gewarnt.
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