Unterm Strich


Panikattacken und allgemeine Angststörungen schnell stoppen!
Ausgezeichnet mit dem Preis ''Das politische Buch'' 2011 der Friedrich-Ebert-Stiftung
Erscheinungsjahr: 2010
Einsteiger/Laien
Gewicht: 684 gr / Abmessungen: 210 mm x 135 mm x 40 mm
Von Steinbrück, PeerAls die Finanzkrise ausbrach, galt Peer Steinbrück vielen Bürgern und Bürgerinnen als der Sicherheitsanker der Regierung.

nzwischen sitzt der ehemalige Finanzminister nicht mehr auf der Regierungsbank. Darüber hat er jedoch nicht verlernt, Klartext zu reden.

Peer Steinbrück analysiert schonungslos die Lage und zeigt Wege aus der Krise. Seine Botschaft ist eindeutig: Egal ob es um die Stärkung unserer Wirtschaft, die Stabilität der sozialen Sicherungssysteme oder die Lage der Parteien (insbesondere der SPD) geh

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3 Responses to Unterm Strich

  1. Falk Müller
    92 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    4.0 von 5 Sternen
    479 Seiten Klartext, 17. September 2010
    Rezension bezieht sich auf: Unterm Strich (Gebundene Ausgabe)

    Unterm Strich klingt wie eine Lebensbilanz. Gleich in der Einleitung macht Peer Steinbrück aber klar, was das Buch nicht ist: es ist kein Erinnerungsbuch mit autobiografischen Zügen, keine Bilanz seiner bisherigen politischen Tätigkeit oder gar eine Abrechnung mit Gegnern. Was ist es aber dann? Eine klare Zustandsbeschreibung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands, Europas und der Welt.

    Ein wichtiges Stichwort ist hierbei die Globalisierung. Steinbrück warnt hier vor dem “chinesischen Kommandokapitalismus”, der auch in vielen lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern um sich greift. Dort wird Demokratie und Liberalität als Ballast für die ökonomische Entwicklung angesehen, und deren Unterdrückung oder gar Abschaffung als Wachstumsbeschleuniger. Der Autor stellt die Frage, ob Europa willens und in der Lage ist, sein Modell einer sozialen Marktwirtschaft mit liberalem Wertekanon weltweit durchzusetzen.

    In diesem Zusammenhang nimmt auch die Weltfinanzkrise breiten Raum ein. Im entsprechenden Teil wird das Buch sogar fast zum Tagebuch, weil damals fast täglich sich Gipfeltreffen und Krisensitzungen abwechselten und der Autor als Finanzminister manchmal wichtige Entscheidungen im Minutentakt treffen musste. Durch seine Schilderungen werden die dramatischen Ereignisse vom Herbst 2008 wieder in lebhafte Erinnerung gerufen.

    Ein anderer wichtiger Punkt im Buch ist der Zustand des deutschen Sozialstaates. Peer Steinbrück sieht ihn gleich von zwei Seiten bedroht. Auf der einen Seite die Transferempfänger, die zunehmend unzufriedener werden, weil sie sich abgehängt und ohne zweite Chance sehen und sie registrieren, dass langjährige Zahlungen etwa in die Arbeitslosenversicherung nutzlos sind. Auf der anderen Seite die, die als Steuer – und Beitragszahler die Hauptlast des Sozialstaates tragen. Diese bemerken, dass ihre Belastung ständig größer wird und empfinden den Sozialstaat zunehmend nicht mehr als Kulturgut, sondern als Ballast. Sie fordern Korrekturen und werden irgendwann die Solidargemeinschaft aufkündigen. Spätestens dann, so Steinbrück, ist der Sozialstaat als Bindeglied für eine friedfertige Gesellschaft in Gefahr.

    Fazit: Das Buch ist sicher stellenweise nicht einfach zu lesen, weil die dargestellten wirtschaftlichen Zusammenhänge komplex sind. Gleichwohl enthält es viele Denkanstöße und es ist mit einer Offenheit geschrieben, der man anmerkt, dass der Autor keine politischen Rücksichten mehr nehmen muss.

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  2. arno "Hjuuge"
    30 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    5.0 von 5 Sternen
    Pragmatiker mit klarer Sprache, 30. Oktober 2010
    Rezension bezieht sich auf: Unterm Strich (Gebundene Ausgabe)

    Peer Steinbrück ist einer der weniger Politiker in unserem Lande, der für eine pragmatische Politik steht und ohne ideologische Verpackung in klarer Sprache sagt, was er denkt.

    Dementsprechend nimmt Steinbrück erfreulicherweise auch keine Rücksicht in seiner Kritik an der SPD (die in dem Buch einen breiten Raum einnimmt). Die SPD neige zur “Verspätung”, die Risikodebatte dominiere, die Chancendebatte sei in den Hintergrund geraten. Er übt scharfe Kritik an Ypsilanti und auch an den Jusos. Zur Revitalisierung der SPD gibt Steinbrück “sieben Empfehlungen”.
    Die FDP mit ihren populistischen Vorschlägen zur Steuerpolik wird von Steinbrück natürlich kräftig “abgewatscht”, mit den Grünen und der Linken beschäftigt sich Steinbrück eher am Rande.

    Einen breiten Raum nehmen in Steinbrücks Buch die “tektonischen Verschiebungen der wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse” und die “Neuverteilung des globalen Wohlstands” ein. Er bezeichnet es als “blanken Irrsinn”, dass die EU mit fast 42 % ihres Haushalts den Agrarsektor subventioniert und es ihr nicht gelingt, sich für die zentralen Herausforderungen Europas im 21. Jahrhundert zu öffnen.

    Steinbrück beklagt die Erosion der Mittelschicht in Deutschland und sieht, dass die nachlassende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik die ökonomischen Voraussetzungen für die Finanzierung unseres Sozialstaats entfallen läßt. Er sieht den Sozialstaat aber nicht nur in einer Leistungs- sondern auch in einer Legitmationskrise; denn der “Lastesel im mittleren Einkommensbereich” verfolge sehr aufmerksam, wie sich Solidarbeiträge “kaum nachhaltig und ergiebig auswirken”.

    Natürlich beschäftigt sich Steinbrück ausführlich mit der Dramatik der Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Beginn er als Finanzminister der Großen Koalition hautnah miterlebt hat.

    Lesenswert sind Steinbrücks ausführlichen Bemerkungen zum Verhältnis Politik und Medien. Er beklagt die auffällige und bedenkliche Einseitigkeit mit der die Medien die Bringschuld bei der Politik abladen, wenn es darum geht, Probleme zu lösen und eine gute Zukunft zu gewährleisten. Den Bürgern werde bei der medialen Berichterstattung selten etwas abverlangt.
    Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg, der neue “Popstar der Politik”, wird bei Steinbrück als politische “Lifestyle-Ikone” gebranntmarkt.

    Leidenschaftlich plädiert Steinbrück für eine “befähigende Freiheit” der Menschen, damit sie ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich in die Hand nehmen können. Der Hebel zu dieser befähigenden Freiheit ist Bildung. Die Gleichung lautet dann: Mehr Bildung = mehr Freiheit = mehr Solidarität = mehr Gerechtigkeit.

    Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch mit einer Perspektive, die über die Tagespolitik weit hinausreicht. Ein pessimistisches Credo zieht Steinbrück aber schon, wenn er meint:
    “Der Abschied von falschen Gewissheiten ist schmerzlich, Korrekturen sind anstrengend. Deshalb blenden wir unser Wissen aus und lassen uns lieber unterhalten. ‘Denn sie wissen nicht was sie tun’ hieß ein berühmter Film mit James Dean. Der Film über uns müsste heißen: ‘Denn sie tun nicht, was sie wissen’ “.

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  3. 13 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
    3.0 von 5 Sternen
    Gute Analysen, aber wenig einfühlsam und sperrig verpackt, 2. Oktober 2010
    Rezension bezieht sich auf: Unterm Strich (Gebundene Ausgabe)

    Das Buch ist eine Darstellung der politischen Ansichten des Autors. Viele Bereiche werden tangiert, von Föderalismus über Bildung zur Finanzkrise, vom politischen Selbstverständnis bis zu den Medien.

    Interessanterweise wird dabei die Rolle der Bundespolitik eher kleingeredet, da sie durch wirtschaftliche, demographische, mediale, parteilpolitische, föderalistische und internationale Zwänge in ein solch enges Korsett gesteckt ist, dass mehrfach darauf hingewiesen wird, dass die Ansprüche an die Bundespolitik in keinem Verhältnis mehr dazu stehen, was sie leisten kann.

    Der Autor macht eine Reihe von sehr plausiblen Vorschlägen zur Verbesserung einzelner Bereiche, und bricht dabei auch SPD-Tabus. Vieles ist jedoch sperrig verpackt in ellenlangen Sätzen, Abschnitten und Kapiteln. Richtig in Fahrt kommt das Buch erst bei der Experten- und Medienschelte.

    Insiderinformationen zum Thema Finanzkrise sucht man vergebens. Das Buch ist eine Textwüste ohne eine einzige Darstellung oder ein einziges Foto. Letztlich ist es schade, dass der Stil des Buches die guten politischen Analysen und Ansätze ruiniert. Insbesondere fehlt einem letztlich der emotionale Bezug.

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